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Periode wieder bekommen nach Bulimie: Svenja nach 8 Jahren mit Periode und frei von der Bulimie – Blogbanner mit Svenja im Video-Interview und ihrem Satz „Ich kann nicht ohne Sport!“
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12. Oktober 2026· 6 Min. Lesezeit

Svenjas Weg aus Bulimie: Nach 8 Jahren ist ihre Periode zurück und Bewegung Nebenthema

Lieber hören? Hier geht’s zur Folge

Wichtig vorab

Hier geht’s offen um Magersucht, Bulimie, Sportzwang und den Verlust der Periode. Das ist Svenjas persönliche Geschichte, keine Anleitung und kein Versprechen, dass jeder Weg gleich aussieht oder gleich lange dauert. Essstörungen sind ernste Erkrankungen. Wenn du selbst betroffen bist, hol dir bitte ärztliche und therapeutische Unterstützung. Gerne begleite ich dich zusätzlich.

Liebe Lina, wollte dir nur die tolle Nachricht schreiben, dass ich letzte Woche meine Periode das erste Mal nach 8 Jahren wieder hatte. 27 Tage Zyklus. Bin super happy und mit dem Essen klappt es auch top!

Svenja

Als diese Nachricht auf meinem Handy aufleuchtete, musste ich sie zweimal lesen. Acht Jahre ohne Periode, zehn Jahre mit Essproblemen, erst Magersucht, dann Bulimie, dazu ein Sportzwang, der sie beinahe den Sport gekostet hätte, den sie so liebt.

Svenja lebt in Berlin und arbeitet im Filmbereich. Mit 16 war sie bereits in Therapie, später folgten mehrere Coachings. Anfang 2024 begann sie ihre 1:1-Begleitung bei mir, mit einem klaren Wunsch: Freiheit, ein Leben, in dem Essen einfach Essen sein darf.

Wie es gelingen kann, die Periode wieder zu bekommen nach Bulimie und jahrelangem Sportzwang, erzählt Svenja dir in diesem Artikel selbst.

Ich bin Lina, staatlich geprüfte Ernährungsberaterin und Health Coach für Frauengesundheit. Ich kenne dieses Muster nicht nur aus Begleitungen, sondern aus eigener Geschichte.

Svenjas Weg auf einen Blick

  1. Mit 16

    Erste Kilos

    Krank, abgenommen, gelobt

  2. Mit 16

    Plan und Waage

    Stabil, aber sich fremd

  3. Danach

    Bulimie

    Robotermodus und Sportzwang

  4. Anfang 2024

    Start mit Lina

    Blutbild, Essen, Kopf

  5. Verletzt

    Verletzung

    Heilung statt Waage

  6. Nach 8 Jahren

    Periode zurück

    27-Tage-Zyklus

  7. Heute

    Sport aus Freude

    Pizza und Kohlenhydrate

„Für den Sommer ein paar Kilo weniger“

Der Anfang war bei Svenja beinahe klassisch: Mit 16 war sie krank, verlor dabei Gewicht und bekam plötzlich Aufmerksamkeit dafür.

Dann war es eigentlich Frühling, und ich dachte mir, für den Sommer ist es ja ganz schön, so ein paar Kilo weniger. Dann hatte ich noch einen Urlaub mit der Familie im Herbst und dachte mir, dafür noch ein bisschen was abnehmen. Und irgendwann wird es halt immer weniger, und man verliert regelrecht die Kontrolle darüber.

Svenja

Dazu kam die Pubertät. Ihr Körper veränderte sich, ohne dass sie Einfluss darauf hatte, und das Abnehmen wurde zum Versuch, sich die Kontrolle zurückzuholen. Svenja wusste dabei immer, dass sie ein Problem hat. Sich einzugestehen, dass sie allein nicht herausfindet, hat für sie als Perfektionistin jedoch lange gedauert.

Dieses Muster begegnet mir häufig: Veränderung macht Angst, und Körper und Essverhalten erscheinen als die beiden Bereiche, die man noch steuern kann. Die Essstörung wirkt dann wie ein Geländer auf einer wackeligen Brücke, bis man merkt, dass man sich nicht festhält, sondern festgehalten wird: von Apps, Zahlen und einem Idealbild.

Svenja hatte das Glück, eine Mama an ihrer Seite zu haben, die früher selbst Essstörungen hatte und ihre Taktiken und Ausreden früh durchschaute. Für ihre Mama war das wie ein Blick in den Spiegel, und dennoch blieb sie eine verlässliche Stütze. Ebenso wichtig waren Freunde, die nicht weggesehen haben.

Gibt es in deinem Leben Menschen, die hinschauen dürfen, oder hältst du gerade alles allein zusammen?

Stabil vom Gewicht, unstabil im Selbstwert

Mit 16 kam Svenja in eine Verhaltenstherapie, in der die Gewichtszunahme und das wöchentliche Wiegen im Mittelpunkt standen. Sie versteht den Ansatz bis heute, und doch beschreibt sie diese Zeit so:

Ich war nach einem Jahr zwar vom Gewicht her stabil, aber ich war sowas von fern von mir selbst. Ich habe mich noch nie so fremd gefühlt. Ich habe halt funktioniert, ich habe einen Plan bekommen, was ich essen soll, aber ich habe mich nicht ein Mal gefragt: Habe ich da Lust drauf?

Svenja

Danach orientierte sie sich an Plänen und an Menschen auf TikTok mit ähnlicher Geschichte und übernahm, was bei anderen zu funktionieren schien. Ihre eigenen Signale blieben dabei ungehört: „Eigentlich bin ich müde und sollte mich ausruhen, aber mein Kopf hat gesagt, ich muss heute noch das und das machen.“

Irgendwann fühlte sie sich wie ein Computer, der nur noch funktioniert. Essen wurde zum einzigen Ausweg aus diesem Robotermodus, zu einem Moment, in dem sie nicht denken musste. Daraus entwickelte sich die Bulimie.

Diesen Kreislauf kenne ich gut: Am Abend erschöpft und leer, wird die Leere mit Essen gefüllt, darauf folgen Schuld, Kompensation und die nächste Diät. Ein Ernährungsplan allein kann ihn nicht durchbrechen, weil er das Bedürfnis dahinter nicht berührt: den Wunsch nach einer Pause vom eigenen Kopf, nach einer Umarmung von innen.

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Sport: von der Bestrafung zur Freude

Sport ist für Svenja weit mehr als Kalorienverbrauch. Sie ist sportlich, seit sie fünf ist, hat neun Jahre im Basketball-Kader gespielt und läuft seit über zehn Jahren. Viele ihrer Freundschaften sind im Sport entstanden.

In der Recovery wird häufig ein vollständiger Sportstopp empfohlen. Bei Svenja habe ich das von Anfang an nicht verlangt, und rückblickend sagt sie:

Das hat mich schon so viel Kraft gekostet, beim Essen aus meiner Komfortzone rauszugehen und meinem Körper wieder mehr zu geben. Wenn ich jetzt auch noch den Sport wegnehme, dann schwimme ich komplett.

Svenja

Früher habe ich Sport gemacht, um mir Essen zu verdienen. Jetzt esse ich, um Sport machen zu können.
Svenja

Genau darin liegt der entscheidende Punkt: Nicht der Sport selbst ist das Problem, sondern das Energiedefizit. Fachlich spricht man vom relativen Energiedefizit im Sport (RED-S): Bekommt der Körper dauerhaft weniger Energie, als Training und Alltag verbrauchen, fährt er Funktionen herunter, die nicht unmittelbar überlebenswichtig sind, darunter den Zyklus. Wer ausreichend isst und gut versorgt ist, kann auch während der Perioden-Recovery Sport machen. Mehr dazu findest du im Artikel Periode bleibt aus wegen Sport.

Svenja hat dabei etwas erkannt, das sie früher nicht für möglich gehalten hätte: „Wir Frauen werden immer in so eine Schublade gesteckt, als würden wir nur Salatblätter essen. Wir können so viel mehr essen, als wir denken.“ Kohlenhydrate sind heute ihr bester Freund.

Der Wendepunkt: verletzt und trotzdem gut versorgt

Im vergangenen Jahr verletzte sich Svenja zweimal kurz hintereinander schwer. Die Ursache war eine verminderte Knochendichte. Östrogen schützt die Knochen, und wenn über Jahre Energie, Nährstoffe und Hormone fehlen, verliert der Knochen an Substanz, oft unbemerkt, bis er nachgibt.

Da hatte ich schwarz auf weiß die Folgen. Aber andersrum bin ich noch so jung, ich kann noch so viel ändern. Und dann stand auf einmal alles im Vordergrund außer der Frage, ob ich zunehmen werde.

Svenja

Fünf bis sechs Monate konnte sie nicht laufen und hat in dieser Zeit sehr bewusst auf ihre Nährstoffversorgung geachtet. Früher hätte sie in einer solchen Phase noch weniger gegessen, um den fehlenden Sport auszugleichen. Diesmal galt ihr Fokus der Heilung, damit sie wieder mit ihren Freunden laufen kann.

Leicht war das nicht, und Svenja spricht offen darüber: Es kostet Kraft zu akzeptieren, dass Kleidung enger wird und sich der Körper verändert, gerade jetzt, wo die Hormone zurückkehren. „Aber mein Ziel ist nicht mehr, so klein und so unscheinbar wie möglich zu sein. Ich will Energie haben, ich will Kraft haben, ich will meine Periode behalten.“

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Was diesmal anders war

Vor unserer Zusammenarbeit hatte Svenja bereits mehrere Coachings gemacht, mit viel Input, Übungen und Techniken. Ihr Fazit:

Man weiß ja viel. Aber man hat diese Stimme im Kopf, diese Routinen, und obwohl man weiß, dass es einem nicht guttut, weiß man sich nicht anders zu helfen. Ich musste verstehen, wie mein Körper funktioniert und wie er mit mir kommuniziert.

Svenja

Was ihr bis dahin gefehlt hatte, war der ganzheitliche Blick. Wir haben ihr Blutbild ausgewertet und Werte gefunden, an denen sich arbeiten ließ, obwohl ihr zuvor gesagt worden war, es sei alles in Ordnung. Ihre Ernährung haben wir nicht mit der Frage betrachtet, was sie falsch macht, sondern was sie ergänzen kann, und wir sind der Frage nachgegangen, woher ihre Verhaltensmuster eigentlich kommen.

Heute kommen Freundinnen mit ihren Blutbildern zu ihr. Genau das ist das Ziel einer Begleitung: ein stabiles Fundament, damit du danach nicht abhängig bist, sondern deinen Weg mit eigenem Werkzeug weitergehst.

Was Svenja heute anders macht

  • Spontan Pizza essen gehen, ohne den Tag vorher „einzusparen“.

  • Auf Geburtstage gehen, ohne vorher zu überlegen, was es dort zu essen gibt.

  • Eine Cola mit Zucker trinken. Früher hat sie nicht einmal einem Glas Cola Zero getraut, das ihr jemand hingestellt hat.

  • Sport aus Freude statt als Strafe, mit genug Essen davor und danach.

  • Alte Muster erkennen, abends über den Tag reflektieren und sich selbst verzeihen.

Wie oft hast du schon Nein zu Freunden gesagt, weil du Angst hattest, was beim Essen passiert?

„Auf deinem Grabstein wird nie stehen: Sie hat immer Nein zu Pizza gesagt“

Diesen Satz hat Svenja einmal wo aufgeschnappt, und er ist geblieben. Niemand wird sich am Ende daran erinnern, welche Kleidergröße sie getragen hat. Sie selbst aber erinnert sich an die vielen Male, an denen sie aus Angst Nein gesagt hat: zur Pizza, zum Abendessen mit Freunden, zum spontanen Plan.

Anfangs hoffte sie, das Thema sei in sechs Monaten oder drei Jahren für immer erledigt. Heute sieht sie es anders: Es bleibt ein Teil ihrer Geschichte, aber kein bedrohlicher, sondern die Chance, sich und ihren Körper immer wieder neu kennenzulernen.

Der Körper ist nicht dein Feind, sondern dein Freund.
Svenja

Lange war Svenja selbst die Zuhörerin, die dachte, alle anderen seien schon viel weiter. Heute weiß sie: Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt und sich Hilfe holt, ist vielen bereits einen Schritt voraus. Sobald du leidest, hast du Unterstützung verdient, ganz gleich, ob die Geschichte einer anderen Frau „schlimmer“ klingt.

Liebe Svenja, danke für deinen Mut und deine Offenheit. Ich bin unfassbar stolz auf dich. Wie es ihr knapp ein Jahr später geht, erzählt sie in Folge 104 über ihr Leben nach der Bulimie.

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