
Sport trotz Zyklusverlust? Mein Training war meine größte Selbstwertquelle
Lieber hören? Hier geht’s zur Folge⚠️ Wichtig vorab
Wenn deine Periode länger als drei Monate ausbleibt, lass das bitte ärztlich abklären, zum Beispiel bei deiner Frauenärztin. Dieser Artikel erzählt meine persönliche Geschichte und ersetzt keine ärztliche Beratung, auch nicht zu Sport bei gesundheitlichen Beschwerden. Gerne helfe ich dir zusätzlich dabei.
Meine Periode war auf Tauchgang, jeden Morgen bin ich mehr oder weniger erschöpft aufgewacht und natürlich ging der erste Gang erst mal zur Kaffeemaschine. Ob ich auf die Idee gekommen wäre, dass mein Sportverhalten etwas damit zu tun haben könnte? Zumindest wollte ich es nicht wahrhaben.
Wenn deine Periode ausbleibt und Sport quasi schon ein fester Teil deiner Identität ist, kennst du diesen blinden Fleck vielleicht.
Ich bin Lina, staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, Health Coach für Frauengesundheit und Expertin für Zyklusverlust. In diesem Artikel erkläre ich dir, warum Sport zwischen dir und deiner Periode stehen kann und was du machen kannst, damit das nicht mehr so ist. Denn verzichten? Musst du nicht.
Das erwartet dich
Warum Sport zwischen dir und deiner Periode stehen kann
Bewegung ist grundsätzlich gut für deine Hormone. Zum Problem wird sie, wenn die Energie aus deiner Ernährung nicht mehr ausreicht, um Training, Alltag und alle Körperfunktionen gleichzeitig zu versorgen. Fachlich spricht man dann von einer niedrigen Energieverfügbarkeit.
Dein Hypothalamus, die Schaltzentrale für deinen Zyklus, registriert dieses Defizit und drosselt die hormonellen Signale an deine Eierstöcke. Studien zeigen, dass diese Signale schon gestört werden, sobald die verfügbare Energie unter eine bestimmte Schwelle fällt. Dein Körper spart dort, wo es fürs Überleben am wenigsten kostet: bei der Fortpflanzung.
Intensives Training ist außerdem ein Stressreiz. Kommen ein Energiedefizit, Leistungsdruck und zu wenig Erholung dazu, bleiben die Stresshormone dauerhaft erhöht und bremsen die Achse zwischen Gehirn und Eierstöcken zusätzlich.
In der Sportmedizin ist dieses Zusammenspiel als Female Athlete Triad beziehungsweise als relatives Energiedefizit im Sport (REDs) beschrieben. Es betrifft nicht nur Leistungssportlerinnen, sondern häufig auch Frauen, die ambitioniert trainieren und gleichzeitig sehr bewusst essen.
Typische Anzeichen können sein:
- Deine Periode bleibt aus oder kommt unregelmäßig.
- Du bist trotz ausreichend Schlaf oft erschöpft.
- Du regenerierst langsam oder verletzt dich häufiger.
- Du bist schnell krank.
- Du frierst schnell.
- Du hast Heißhunger.
- Du hast Stimmungsschwankungen.
- Du fühlst dich innerlich getrieben und kannst schlecht entspannen.
- Schilddrüsenhormone, Estradiol und Progesteron sind niedrig.
Das kann auch im Normalgewicht passieren.
Wenn Training zur Kontrolle wird
Ich bin eine kleine Perfektionistin: diszipliniert, strukturiert, immer mit Plan. Als Wettkampf-Bodybuilderin war ich erfolgreich, und mein Training war entsprechend exzessiv.
Ich habe nicht nur Übungen, Sätze und Wiederholungen getrackt, sondern auch die Pausen zwischen den Sätzen und die Time under Tension, also wie lange ein Muskel in einer Bewegung unter Spannung steht. Mein Training war Kontrolle bis ins letzte Detail.
Gleichzeitig habe ich Kalorien gezählt und immer wieder Diäten gemacht. Meine Periode blieb aus, ich hatte Stimmungsschwankungen und war oft erschöpft. Den Zusammenhang mit meinem Ess- und Sportverhalten habe ich trotzdem lange nicht gesehen.
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Die Diagnose, die mich gestoppt hat
Am Ende hat es eine Diagnose gebraucht. Ich hatte bereits eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung und Hashimoto, meine Periode war weg, und mir wurde gesagt, ich würde sie auf natürlichem Weg ohnehin nie bekommen.
Dann kamen Herzprobleme dazu, und von heute auf morgen hieß es: mindestens zwei Jahre kein Sport.
Ich habe nicht geweint, weil ich Probleme mit meinem Herzen hatte. Ich habe geweint, weil ich keinen Sport mehr machen durfte.
Damals habe ich mir gesagt: Wenn ich schon keinen Sport machen kann, verändert sich mein Körper sowieso, also versuche ich jetzt, intuitiv zu essen. In der Praxis schob ich die Mahlzeiten immer weiter nach hinten, aß fast nur noch Hühnchen mit Gemüse, lief eine Stunde zur Arbeit und eine zurück und machte morgens Cardio.
Mein damaliger Partner brachte es auf den Punkt: „Das ist nicht intuitiv essen. Du solltest mal anfangen zu frühstücken.“ Ich war erst verärgert, aber er hatte recht. Warum das Frühstück für deinen Zyklus so wichtig ist, erkläre ich in meinem Artikel über Ernährung bei ausbleibender Periode.
Warum Sport meine größte Selbstwertquelle war
Ich war im Normalgewicht und hatte trotzdem Zyklusprobleme. Und ich wollte auf keinen Fall, dass sich mein Körper verändert.
Im Rückblick weiß ich: Sport war für mich zu einem großen Teil Kompensation. Der trainierte Körper brachte Komplimente und Anerkennung von außen, und genau das hat meinen Selbstwert gestützt. Für mich selbst war ich trotzdem nie gut genug, ganz egal, was die Waage zeigte oder wie muskulös mein Hintern war.
Gesehen werden wollen → Leistung bringen → Anerkennung von außen → kurz gut genug → nie genug
Heute brauche ich diese Quellen nicht mehr, weil mein Selbstwert stabil ist. Genau diese Arbeit an deinen inneren Themen ist oft der entscheidende Schritt.
👣 Dein erster Schritt
Frag dich ehrlich: Aus welcher Intention machst du Sport? Um Kalorien zu verbrennen und einen bestimmten Körper zu erreichen, oder weil es dir guttut und Stress abbaut? Schreib dir einen Satz dazu auf.
Was vier Jahre Sportpause verändert haben
Anfangs habe ich es alle paar Monate wieder versucht, bin Rad gefahren, habe übertrieben und bin zurück ins Studio. Jedes Mal hat mein Herz stärker reagiert, und ich musste akzeptieren, dass ich mir damit mehr schade als nutze.
Insgesamt waren es vier Jahre fast ohne Sport. Nach etwa drei Jahren kam die Erkenntnis: Ich fühle mich so wohl in meinem Körper wie noch nie, unabhängig davon, welche Leistung ich bringe, wie ich aussehe oder wie ich esse.
Mein Körper hat sich verändert, und trotzdem habe ich nie so viele Komplimente für meine Ausstrahlung bekommen wie heute. In dieser Zeit habe ich es endlich geschafft, wirklich intuitiv zu essen.
Deine innere Weisheit ist klüger als jede Kalorien-App und jeder Tracker, der dir vorrechnet, wie viel du angeblich verbrennst.
Du erkennst dich in meinem Trainingsalltag wieder und willst herausfinden, was dein Zyklus wirklich braucht? Im kostenfreien Zyklus-Klarheits-Call schauen wir gemeinsam hin.
Zum kostenfreien Zyklus-Klarheits-CallBalance statt Extreme
Fünfmal pro Woche ins Studio, den ganzen Tag Brokkoli und Eiweiß: Das gilt oft als besonders gesund. Gesund ist es nicht, wenn du gleichzeitig Angst vor einem Schokoriegel hast und dich so sehr verkopfst, dass es dich stresst.
Denn Stress entsteht auf mehreren Ebenen: körperlich durch ein Energie- oder Nährstoffdefizit, emotional durch unterdrückte Gefühle und mental durch Leistungsdruck. Sport kann dein Nervensystem regulieren, er kann es aber auch zusätzlich belasten.
Warum ausgerechnet „mehr Training“ bei ausbleibender Periode oft das Gegenteil bewirkt, liest du auch bei den 5 Zyklus-Killern. Genau diese Balance steckt übrigens in meinem Namen: FemBaLina steht für Female Balance.
So trainiere ich heute intuitiv
Heute gehe ich ins Fitnessstudio, wenn ich Lust darauf habe. Mein Wissen aus dem Bodybuilding hilft mir, sinnvoll zu trainieren, aber es bestimmt mich nicht mehr.
- Ich wähle die Übungen und Wiederholungen, die sich an diesem Tag richtig anfühlen.
- Mal trainiere ich schwerer, mal leichter, mal mache ich etwas ganz anderes: Rad fahren, spazieren gehen oder bowlen statt Beintraining.
- Manchmal plane ich Beintraining und mache am Ende nur etwas Yoga und gehe in die Sauna. Auch das ist in Ordnung.
Wenn dir die Energie für Sport fehlt, lohnt sich die Frage nach dem Warum. Viele Frauen hören „alle Werte in Ordnung“ und sind trotzdem dauerhaft erschöpft. In meiner Begleitung schauen wir uns deshalb auch die Laborwerte genauer an.
Mir wurde einmal gesagt, ich würde nie einen natürlichen Zyklus haben. Heute habe ich trotz PCOS- und Hashimoto-Diagnose einen regelmäßigen Zyklus. Das ist meine Geschichte und kein Versprechen, aber sie zeigt, was möglich sein kann, wenn dein Körper wieder genug Energie und Sicherheit bekommt.
Dein Körper weiß, was er braucht, und er sucht eine gesunde Balance. Schreib mir gern auf Instagram, welchen Sport du machst und warum.
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Zum kostenfreien Zyklus-Klarheits-CallQuellen & weiterführende Literatur
- Gordon CM et al. (2017): Functional Hypothalamic Amenorrhea: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab, 102(5), 1413–1439.
- Loucks AB & Thuma JR (2003): Luteinizing hormone pulsatility is disrupted at a threshold of energy availability in regularly menstruating women. J Clin Endocrinol Metab, 88(1), 297–311.
- De Souza MJ et al. (2014): 2014 Female Athlete Triad Coalition Consensus Statement on Treatment and Return to Play of the Female Athlete Triad. Br J Sports Med, 48(4), 289.
- Mountjoy M et al. (2023): 2023 International Olympic Committee’s (IOC) consensus statement on Relative Energy Deficiency in Sport (REDs). Br J Sports Med, 57(17), 1073–1097.
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