
„Intuitiv essen kann ich nicht“: Nehme ich zu, wenn ich intuitiv esse? 3 Dinge, die passieren können
Lieber hören? Hier geht’s zur FolgeWichtig vorab
Hier geht’s offen um Essstörungen und Essanfälle. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Behandlung. Wenn du selbst betroffen bist, hol dir bitte ärztliche und therapeutische Unterstützung. Gerne begleite ich dich zusätzlich.
Ein Stück Kuchen beim Geburtstag der Kollegin, außerhalb des Plans. Danach, auf der Toilette, der prüfende Blick in den Spiegel: Sind die Hüften schon runder geworden? Ist der Bauch weicher? So absurd es klingt, genau so habe ich mich jahrelang beobachtet.
„Intuitiv essen kann ich nicht.“ Diesen Gedanken hatte ich lange. Ich habe mich an Kalorienzahlen und Ernährungspläne geklammert, und jede Abweichung löste Schwarz-Weiß-Denken aus: Jetzt ist ohnehin alles egal. Es folgten Essanfälle, Erbrechen, eine noch strengere Diät und noch mehr Sport.
Hinter dem Satz stand bei mir vor allem eine Angst: die Angst vor dem Zunehmen, vor Essanfällen und vor einem Körper, der sich verändert. In fast jedem Zyklus-Klarheits-Call begegnet mir genau diese Angst wieder.
Dabei hilft ein nüchterner Blick auf die Physiologie: Körperfett entsteht nicht über Nacht durch ein einzelnes Stück Kuchen. Dafür müsste dein Körper über einen längeren Zeitraum deutlich mehr Energie aufnehmen, als er verbraucht. Was du am nächsten Morgen im Spiegel zu sehen glaubst, ist in aller Regel Wasser, Darminhalt oder schlicht die Angst selbst.
Ich bin Lina, staatlich geprüfte Ernährungsberaterin und Health Coach für Frauengesundheit. Schauen wir uns deshalb ehrlich an, welche drei Szenarien eintreten können, wenn du dir die bedingungslose Erlaubnis gibst, alles essen zu dürfen.
Das erwartet dich
Szenario 1: Du nimmst zu
Stell dir zunächst drei Fragen:
- Hattest du bisher viele Verbote und Regeln?
- Hast du eher wenig gegessen oder dich an Zahlen festgehalten?
- Hast du viel kompensiert, zum Beispiel mit Sport, Abführmitteln oder Erbrechen?
Wenn du auch nur eine davon mit Ja beantwortest, ist eine anfängliche Zunahme wahrscheinlich, sobald du auf deine Hungersignale hörst. Dein Körper war lange im Energiedefizit und nutzt die neue Verfügbarkeit, um seine Reserven aufzufüllen. Das ist kein Kontrollverlust, sondern Reparatur.
Für diese Zunahme gibt es zwei Erklärungen, die oft gleichzeitig wirken:
Wenn die Waage mehr anzeigt
Die Zunahme ist notwendig. Dein Körper braucht Energie und Reserven, um Organe, Hormone und Stoffwechsel wieder vollständig zu versorgen. Viele Fachleute sprechen vom Set Point, dem Gewichtsbereich, den dein Körper als gesund und sicher verteidigt. Ist er erreicht, lässt der Extremhunger in der Regel nach.
Mehr Wasser und Darminhalt. Wenn du mehr isst, füllt dein Körper seine Glykogenspeicher wieder auf, und Glykogen wird zusammen mit Wasser eingelagert. Dazu kommen mehr Nahrungsvolumen im Darm und eventuell mehr Salz. Die Waage zeigt mehr an, mit Fettzunahme hat das zunächst wenig zu tun.
Bei mir war die Zunahme notwendig. Ich hatte einen sehr niedrigen Körperfettanteil, und selbst mit dem Normalgewicht kam meine Periode erstmal nicht zurück. Der eigentliche Kampf fand dabei weniger auf der Waage statt als in meinem Kopf.
Stell dir deinen Körper wie ein Haus vor, das lange im Notbetrieb lief: Alle Heizungen sind ausgefallen, nur die wichtigsten Räume hatten Licht. Sobald wieder genug Energie da ist, werden zuerst die Heizungen repariert und Glühbirnen ausgetauscht. Erst wenn dein Haus vollständig repariert ist, wird alles wieder warm und hell sein. Das Gleiche passiert in deinem Körper: merkt er, dass die Versorgung dauerhaft gesichert ist, kehrt Ruhe ein.
Kostenfreier Hormon-Signal-Check
Finde innerhalb von 5 Minuten heraus, in welcher von 3 Hormonfallen du aktuell feststeckst.
Szenario 2: Du hältst dein Gewicht
Nicht selten passiert auf der Waage schlicht nichts. Dann isst du vermutlich bereits ungefähr so viel, wie dein Körper aktuell braucht, und die Veränderung findet an anderer Stelle statt: im Kopf, in deiner Energie, in deinem Alltag.
Schwankungen von ein paar Kilo sind dabei völlig normal, gerade bei Frauen. Im Verlauf des Zyklus beeinflussen Östrogen und Progesteron, wie viel Wasser der Körper einlagert, und auch Salz, Verdauung und Stress spielen eine Rolle. Eine einzelne Zahl am Morgen sagt deshalb wenig aus. Unabhängig vom Szenario pendelt sich das Gewicht mit der Zeit ein und bleibt dann relativ stabil.
Ich esse seit Jahren intuitiv und wiege mich kaum noch. Als ich neulich bei einem Freund auf die Waage gestiegen bin, war das Ergebnis eine Information, kein Urteil. Mein Körper ist gesund, mein Zyklus ist da, ich habe Energie, und die Zahl hat keine Macht mehr über meinen Tag.
Wie sehr bestimmt die Zahl auf der Waage gerade, wie dein Tag verläuft?
Szenario 3: Du nimmst ab
Auch das ist möglich, und es überrascht viele. Nach langen Phasen mit Diäten folgt häufig ein Kreislauf aus Verzicht und Heißhunger: tagsüber diszipliniert, abends der Kontrollverlust, am nächsten Tag die nächste Einschränkung.
In diesem Kreislauf schaltet der Körper auf Sparflamme. Die Schilddrüse, dein innerer Motor, drosselt den Stoffwechsel, du fühlst dich müde und antriebslos, und oft verstärken sich PMS-Beschwerden. Gleichzeitig wächst der Hunger auf energiereiche Lebensmittel. Fallen die Verbote weg und isst du regelmäßig und ausreichend, verlieren die Heißhungerattacken an Kraft, und viele Frauen essen insgesamt sogar weniger, ohne es bewusst zu steuern.
Alice, die ihre Geschichte in meinem Podcast erzählt hat, steckte genau in diesem Kreislauf. Sie hat begonnen, ihrem Körper zu vertrauen und mehr zu essen, und die Heißhungeranfälle haben aufgehört. Das eigentliche Ziel ist ein stabiles Gleichgewicht, keine bestimmte Zahl.
Du willst wissen, was bei dir realistisch ist? Im kostenfreien Zyklus-Klarheits-Call schauen wir gemeinsam auf deine Ausgangssituation.
Zum kostenfreien Zyklus-Klarheits-Call„Lina, was ist bei mir realistisch?“
Was bei dir passiert, hängt von deiner Ausgangslage ab und lässt sich nicht pauschal vorhersagen. Ernährst du dich aktuell sehr restriktiv, hast du viele Verbote oder ist dein Körperfettanteil zu niedrig, ist eine anfängliche Zunahme wahrscheinlich. In diesen Fällen ist sie meist genau das, was dein Körper braucht, um wieder gesund zu werden.
Statt dich auf die Waage zu konzentrieren, lohnt sich ein Ziel, das sich nach Leben anfühlt, zum Beispiel:
Ziele, die sich nach Leben anfühlen
Ich möchte mir keine Lebensmittel mehr verbieten.
Ich möchte mich nicht länger von Zahlen, der Waage oder zu enger Kleidung bestimmen lassen.
Ich möchte lernen, meinen Körper anzunehmen.
Ich möchte auf eine Familienfeier gehen, weil ich die Zeit mit meinen Liebsten genießen will, nicht mit Gedanken ans Essen.
Vor einiger Zeit lag ich abends im Bett und habe geweint, weil mir bewusst wurde, wie viele Jahre meiner Jugend ich dem Essen und meinem Körper geopfert hatte. Mit einer Essstörung lebt man nicht, man funktioniert. Umso dankbarer bin ich, dass ich heute frei, gesund und unbeschwert leben kann.
Wenn dir die Vorstellung trotzdem Angst macht, ist das vollkommen verständlich. Warum sich intuitives Essen manchmal dennoch wie eine Diät anfühlt, liest du in 4 Gründe, warum intuitives Essen nicht funktioniert. Und du musst diesen Weg nicht allein gehen.
🎧 Lieber hören statt lesen? Hier ist die ganze Folge
Du möchtest mit mir über deine Herausforderungen und Ziele sprechen und die ersten Impulse für deine Reise bekommen?
Zum kostenfreien Zyklus-Klarheits-CallHappy, Healthy & Confident in die neue Woche.
Jeden Montag — Wissen rund um Zyklus, Hormone & weibliche Gesundheit. Direkt in dein Postfach.
